susanne meissner schloss gottorf, keramik? installation? irritation!


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landesmuseum schleswig-holstein, schloss gottorf schleswig, studio in der galerie der klassischen moderne, keramik? Installation? Irritiation!

fotos der ausstellungseröffung
26. Juli 2009

mein dank geht an

das gesamt team des landesmuseums schleswig-holstein
an

dr. des. vera henkelmann für ihren großen einsatz, danke danke

und vielen dank an dr. u. schneider für das aus dem weg räumen aller probleme!

und auch ein dank für die unterstützung an dr. thomas gädeke, stellvertretender direktor

Dr. des Vera Henkelmann vom Landesmuseum Schleswig-Holstein schreibt zu meiner

Ausstellung im Sommer diesen Jahres „Keramik? – Installation? – Irritation!“ im Studio der Galerie der Klassischen Moderne, Schloss Gottorf

„ Unablässig beobachtet Susanne Meissner die Welt, will auch das erfassen, was nicht greifbar und doch Teil unserer Realität ist. Ihre Fragen an die Wirklichkeit bleiben unbeantwortet, es entsteht kein fixes Weltbild, alles bleibt in der Schwebe – alles bleibt fraglich.

Wie Spotlichts halten Susanne Meissners Haikus diesen Schwebezustand, diese Fragwürdigkeit fest. Sie dokumentieren ihre Fragen und begleiten ihr keramisches Werk.

Bisweilen stehen die Gedichte unverbunden neben den Objekten und Installationen, mal scheinen sie ihnen vorausgegangen zu sein, ein andermal sind sie – wenn auch versteckt – auf einem Objekt zu finden.

Diese Fragen der Künstlerin sind gleichfalls Ausgangpunkt ihrer keramischen Arbeiten, die keiner der gängigen Vorstellung von Keramik entsprechen: keine Töpfe, keine Vasen, und Schalen. Es geht also nicht um Gebrauchs – oder Gefäß´ Keramik, aber auch nicht um skulpturale Keramik im klassischen Sinne. Vielmehr gehen Susanne Meissners Fragen an die Realität eine sich gegenseitig anregende Verbindung ein mit ihren offensichtlichen Fragen an das Material Keramik. Und so erforscht und erfindet Susanne Meissner seit 14 Jahren die Keramik immer wieder neu. Sie lotet die Möglichkeiten der Form und des Materials aus, experimentiert mit verschiedenen Brenntechniken, Glasuren und Mixturen. Entscheidend für die generelle Arbeit mit Keramik ist für die Künstlerin gewesen, dass es dich nicht nur um ein natürliches Material handelt, sondern dass es absolut frei modellierend und vor allem bildend verarbeiten kann; im Gegensatz zu Sein oder Holz, wo durch Reduktion des Ausgangsblockes etwas Neues entsteht. Vom Bedeutung ist für Meissner zudem der Moment des Loslassens der Form während des Brandes, den sie nicht zu 100 % steuern will und kann. Ob sie sich bei ein er Arbeit für Irdenware, Porzellan mit oder ohne Glasur etc. entscheidet, hat meist praktisch-technische Gründe, die sie mal experimentierend, meist aber intuitiv während des Werkprozesses abwägt. In letzter Zeit hat sich Susanne Meissner intensiv mit dem Prinzip der seriellen Arbeit auseinandergesetzt. Hierbei arbeitet sie häufig mit Abgüssen von Alltagsgegenständen, die somit täuschend echt wirken, jedoch von der Künstlerin durch Variation ihrer Details verfremdet werden. Wenn sie keine passende Vorlage findet, stellt sie die Modelle selbst her, Trotz der Verwendung  von Alltagsgegenstände ist die Verbindung zum Ready-made nur eine lose; nicht nur durch Veränderung, Abformung und Vervielfältigung der Objekte, vielmehr auch deswegen, weil Meissner keine rein zufällig gefunden Gegenstände verarbeitet, sonder in der Regel gezielt nach Vorlagen sucht. Die so entstanden Arbeiten werden oftmals durch Kombinationen mit weiteren gleichen, aber auch anderen Objekten in ein neues Koordinatiossystem von Wirklichkeit eingebunden und so entstehen beziehungsreiche Gruppen und raumgreifende Installationen. Der Besucher wird hierbei von ihren Arbeiten angelockt, irritiert und schließlich herausgefordert, selbst die Realität oder besser gesagt seine Wahrnehmung von dem, was er für real hält, zu hinterfragen.

Im Werk von Susanne Meissner spielen Tischinstallationen, bei denen sie Büffets aus illusionistisch gestalteten Keramikobjekten auf Tischen arrangiert, eine besondere Rolle.

Beim „Tortenfest“ (2007) stehen zunächst täuschend echt wirkende Torten auf einer mit Früchten, Kerzen und weiteren Objekten angerichteten Tafel, die durch kronleuchterartige Lampen illuminiert werden. Geht man näher heran, merkt man, dass die Keramiktorten keineswegs essbar sind. Und Offensichtlich sind sie weniger appetitlich als gedacht: Einige von ihnen sind schon ein wenig vergammelt, andere sind mit Vogelfutter garniert. Und in einer Torte schwimmen gar Fische.

                        Ich zeige eine Festtafel (…) im typischen barocken Stil, üppig,                              festlich, bis sich der Tisch zu biegen scheit. – Wird hier eine                              Geburtstagsparty               gefeiert? – Auf den zweiten Blick ergeben sich                    Merkwürdigkeiten, Brüche. –                   was ist mit diesen Torten los?             Wann war dieses Fest oder soll es erst noch                stattfinden? – Es               ist ein Spiel mit dem Sein und dem Schein. Die                                                   Betrachtenden sind aufgefordert, genau hinzusehen und zu entdecken. Erst                    bei genauer Betrachtung erschließt sich diese Welt der Vergänglichkeit und            der Veränderung  - Alles nur eine Illusion?

Offensichtlich angeregt von barocken Stillleben und dem ihnen oft innewohnenden Vanitas-Gedanken gelingt Meissner nicht nur die Übertragung in die Keramik  sondern ebenso in die raumgreifende, dreidimensionale Installation. Der Betrachter wird herausgefordert, sich mit der Kernfrage von Wirklichkeit – nach dem Sein und dem Vergehen – auseinander zusetzten.

Dabei erliegt er – wie der barocke Betrachter – den fast im Sinne eines Trompe lòeil täuschend echt gestalteten Objekten. Doch schonungsloser als die Stillleben vergangener Jahrhunderte wird der Betrachter der Gegenwart nicht nur mit der Verfänglichkeit der feil gebotenen Leckerein konfrontiert, sondern mehr noch mit seinem Verlangen nach derlei Köstlichkeiten, die sich bei näherem Hinsehen aus verschiedenen Gründen als ungenießbar erweisen.

In der illusionistischen Darstellung von Nahrungsmittel – welcher Art auch immer -  steht Susanne Meissners Werk nicht isoliert. Claes Oldenburg beispielsweise hat sich mehrfach mit dem Thema Nahrung auseinandergesetzt. Dabei wurden Kuchen und Eis jedoch aus Kunststoff hergestellt und ins Monumentale gesteigert. Zu erwähnen sind seine Arbeiten „Droppel Cone“ in Köln (2001) sowie der „Floor Cake“ in MoMa  New York (1963). Ebenso zu nennen ist Patricia Waller, deren „Buffet“ aus dem Jahr 1999 mit Schweinskopf, Hummer und kleinen Häppchen gänzlich aus Wolle gehäkelt ist.

© 2003 susanne meissner keramik kunst lübeck